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Was ist ein Entrepreneur ?

17. April 2010

Einmal abgesehen davon, dass wahrscheinlich kaum jemand weiß, wie man dieses Fremdwort richtig ausspricht … auf die Gefahr hin, einige bekannte Lehrmeinungen vom Tisch zu stoßen … hat mich diese Einladung von Mingo zu einer Blogparade tatsächlich inspiriert. Und genau das ist schon das Stichwort mit dem alles anfing: Inspirit war meine erste IT-Firma, gegründet 1993 im zarten Alter von 20 Jahren zu Beginn meines Studiums an der TU Wien. Mit einem der Lieblingszitate meines Vaters im Kopf – „Du kannst Dir im Leben aussuchen, ob Du ein Wolf oder ein Schaf sein willst.“

Und hier ist schon die erste unbedingt notwendige Charaktereigenschaft eines Unternehmers: Fähig und willens, an sich selbst zu glauben. Es ist ein riesiger Unterschied nur über tolle Dinge zu reden – oder sie zu machen. Den Mut, tatsächlich Verantwortung zu übernehmen – einfach weil man das Gefühl hat, kein Anderer kann es besser machen.

Ohne jetzt Schulungsfirmen und Managerschmieden die Existenzberechtigung abzusprechen: Die Fähigkeit, Menschen zu führen (damit meine ich, zu inspirieren) kann man zwar ausbauen, verfeinern und perfektionieren … aber nicht lernen. Das starke Charisma eines Menschen ist ein weiteres unabdingbares Werkzeug des erfolgreichen Unternehmers.

Nur einen Hauch jenseits der imaginären Linie entfernt wartet allerdings gleich die größte potentielle Schwäche des Unternehmers: Präpotenz und Selbstüberschätzung. Ein gesundes Selbstbewusstsein in Ehren – aber man kann erstens nicht alles können und zweitens nicht alles wissen. Hier kann ich jedem Kandidaten nur seine Familie ans Herz legen. Abgesehen von einem Konkursrichter kann einem niemand besser auf den Boden der Tatsachen zurückholen wie Geschwister oder Ehepartner.

Beim Thema Unternehmensberater und Consulter scheiden sich die Geister. Viele sehen in deren Beauftragung ausschließlich eine Gewissensberuhigung und juristische Absicherung für den Fall des Scheiterns. Wir können es jeden Tag in der Zeitung lesen, wenn sich Aufsichtsräte und Topmanager mit siebenstelligem Jahreseinkommen für Totalpleiten rechtfertigen „aber wir haben ja die international renommierte Beratungsfirma xy beauftragt“ Eine ganz wesentliche Unternehmereigenschaft ist aber nicht nur zu wissen, was man kann – nein, auch oder vor allem zu wissen, was man nicht kann. Und für diese Gebiete sollte man sich rechtzeitig die Hilfe von kompetenten Experten sichern.

Abgesehen von diesen emotionalen Punkten möchte ich noch einige pragmatische Dinge nicht unerwähnt lassen. Meine Expertise liegt eher im technischen Bereich – die Grundregeln eines jeden (erfolgreichen) Projektes gelten aber grundsätzlich auch in allen anderen Branchen. Die Welt retten ist auch schön – sprechen wir aber mehr davon, wie Projekte kommerziell erfolgreich sein können.

Meinen Studenten an der FH Innsbruck predige ich jedes Semester die Säulen eines Internetportals: Content, Traffic und Geschäftsmodell. Freue mich dann natürlich, wenn sie es bei der Diplomprüfung auch noch wissen – umgelegt auf Allgemeingültigkeit wären das folgende Fragestellungen, denen sich jeder angehende Unternehmer in Wahrheit stellen muss.

Gretchenfrage I: Geschäftsmodell
In Heinz Prüllers Rennenglisch nennen wir es wesentlich eleganter Businessmodel. Vielleicht bin ich hier zu konservativ, eventuell auch durch meine zweite Ausbildung zum Steuerberater und Wirtschaftstreuhänder vorbelastet. Ich halte nämlich ganz wenig von „Ich hab da eine super Idee, machen wir mal und überlegen uns hinterher, wie wir vielleicht ein bisschen Kohle daraus ziehen können.“ Nachdem ich selbst schon ein paar Mal in der Jury von Businessplanwettbewerben sitzen durfte, habe ich dort Projektideen fernab jeglicher Realisierungsmöglichkeit gelesen. Theoretisch ganz einfach, praktisch meist ganz schwer: Womit verdienen wir in dem neuen Projekt Geld. Jetzt sind kritsche Stimmen durchaus legitim, die mir sagen „Auch Twitter und Facebook hatten jahrelang kein Geschäftsmodell, trotzdem wäre jeder von uns gerne Mehrheitsaktionär davon.“ Liebe Leute, ich freue mich für jeden Jungunternehmer, der Milliarden verpulvern kann – die Realität schaut leider ganz anders aus.

Gretchenfrage II: Vertrieb
Ebenfalls leider in so gut wie keinem Businessplan valide erklärt. Wer verkauft wie an wen mein Produkt/Dienstleistung. Und jetzt bitte nicht die Milchmädchenformel aus dem Lehrbuch Markting&Werbung, Proseminar 1 zitieren: Top-down aus dem Marksegment. Ich will ja „nur 1% aller europäischen Konsumenten als Kunden. 1% ist so wenig – das muss doch zu schaffen sein.“ No further comment.

Gretchenfrage III: Das Produkt
Ab und zu gibt es tatsächlich Ideen, die noch niemand auf der Welt vorher hatte. Mit der Brille der historischen Gewissheit kann ich mich auch nur wundern, dass die 3M-Post-it nicht mir eingefallen sind. In den anderen 99% muss mein neues Unternehmen einfach schneller, besser, billiger und/oder cooler sein als der Mitbewerb. Hier zerbrechen sich viele Unternehmer am meisten den Kopf über den Innovationsgrad, laut meiner bescheidenen Erfahrung sind Gretchenfrage I+II allerdings die wesentlich kritischeren Erfolgsfaktoren.

von Thomas Thaler, Leitung Marketing & Social Media der UrlaubUrlaub.at

Blogparade Entrepreneurship

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